Die Hüftdysplasie des Hundes

Die Hüftdysplasie des Hundes ist eine der bekanntesten und weit verbreitesten Erkrankungen des Bewegungsapparates. Als HD abgekürzt ranken sich viele Mythen und noch mehr Behandlungsmethoden rund um diese knöcherne Veränderung der anatomischen Begebenheiten des Acetabulums (Oberschenkelpfanne) und des Femurkopfes (Oberschenkelkopf) beim Hund.

Durch die bildgebenden Diagnostik (wie Röntgen oder CT) sieht man die HD in erster Linie als Problematik der knöchernen Strukturen. Eine Röntgenaufnahme erstellt jedoch nur eine zweidimensionale Aufnahme der Knochen. Weichteilstrukturen, wie Knorpel, Sehnenansätze und Muskeln, lassen sich beim Röntgen kaum und selbst bei einer 3D – Aufnahme (Computertomographie) nur unzureichend zu beurteilen.

Daher ist es ratsam, eine ausführliche Lahmheitsuntersuchung der bildgebenden Diagnostik vorzulagern. Dabei werden Erhebungen zur Beweglichkeit und Bewegungseinschränkungen vorgenommen, sowie Funktionstests und Gangbildanalyse.  Ein CT oder ggf. ein MRT kann dann im Anschluss exakt auf die visuell und palpatorisch festgestellte Einschränkung eingestellt werden.

Aber zurück zur Erkrankung und deren Definition. Seit Jahren wird versucht die HD auf Grundlage züchterischer Maßnahmen zu eliminieren. Da es sich bei  HD aber um eine multifaktoriell bedingte Erkrankung handelt, konnte durch die züchterischen Maßnahmen allein bisher kein Durchbruch erzielt werden. Das ist auf der einen Seite ein ernüchterndes Ergebnis, auf der anderen Seite gibt es so auch Hoffnung für die Hunde, die genetisch schlechte Voraussetzungen haben. Sie müssen nicht zwingend schlechte Hüften bekommen. Auch wenn die Gene allein ungünstig sind, lässt sich die Entwicklung noch durch die Epigenetik ändern. Diese beschreibt unsere Einflussmöglichkeit auf unsere DNA über äußere und innere Einflussfaktoren, wie Psyche, Ernährung und ein gesundes Umfeld. Sie kann natürlich auch negative Auswirkungen haben, wie z.B. über schlechte Ernährung, wenig Bewegung etc., wir möchten hier jedoch auf die positiven Aspekte eingehen.

Inzwischen ist bekannt, dass mit kontrolliertem Wachstum, genauer Gewichtskontrolle und dazugehöriger verantwortungsvoller Ernährung sehr gute Ergebnisse erzielt werden können. Zudem kann man -angeleitet durch einen Tierphysiotherapeuten- gezielt die Beweglichkeit des Hundes sinnvoll trainieren. Die Schulung des Körperbewusstseins führt zu einem besseren und verlässlicheren Einsatz des Körpers und hat damit einen maßgeblichen Einfluss auf die Verletzungsprävention.

Sollte es trotz allem zu einer Verletzung kommen, so heilen die Verletzungen schneller und mit weniger Folgeerscheinungen ab.

Aber nochmal, was hat das alles mit der Hüftdysplasie zu tun?!

Ich möchte einfach mit dem Mythos aus der Tiermedizin aufräumen, dass der Hund ein Opfer seiner Gene ist. Selbst wenn, und was nicht allzu selten passiert, ein Hund als Zufallsbefund mit HD diagnostiziert wird, geht die Welt nicht unter. Zufallsdiagnostik deshalb, weil wir immer wieder Tiere in der Praxis vorgestellt bekommen, die aufgrund einer anderen Problematik beim Tierarzt waren. Dabei wurde zum Beispiel vom Bauchraum ein Röntgenbild angefertigt wurde, auf dem zufällig noch eine Fehlstellung der Hüfte sichtbar wurde. Die Hunde waren meist bis zum besagten Tag recht unauffällig. Anschließend wird dem Besitzer geraten, den Hund zu Schonen, womöglich keinen Hundesport mehr zu machen oder gar ein Schmerzmittel zu verabreichen. Und schon nimmt die Abwärtsspirale ihren Lauf.

 

Hier möchten WIR ansetzen. Denn es GIBT Hoffnung und diese Hoffnung ergibt sich aus all den Geweben, die außer den Knochen einen Körper bilden.  Ohne Sehnen, Bänder, Muskeln, Faszien, Gelenkkapseln, Gefäßen und Nerven etc., wären die Knochen nur ein Knochenhaufen, der mit Bewegung NICHTS zu tun hätte.

Die Wirksamkeit der Physiotherapie bei Hüftdysplasie

  • Beweglichkeit wird verbessert
  • Stabilität wird verbessert
  • Schmerzen in der Bewegung werden gelindert
  • Medikamenteneinnahme kann oft reduziert werden
  • Muskelaufbau – in Funktion und Umfang
  • Koordination wird geschult
  • Range of motion wird trainiert.

 

 

Welche Behandlungen eignen sich für die Therapie der Hüftdysplasie?

Behandlungsangebot Hüftdysplasie
  • Therapie auf dem Unterwasserlaufband – ganz nach der Devise “Gehen wird durch Gehen geübt” – hierbei ermöglicht die Be – und Entlastung durch die Veränderung der Wasserhöhe eine schonende und kontrollierte Möglichkeit der Gangschulung.
  • Fokussierte und Radiale Stoßwellentherapie – die fokussierte Stoßwelle wird am Gelenk und im gelenksnahen Bereich angewendet, um non-invasiv die  körpereigenen Heilungsmechanismen zu aktivieren. Nach der Behandlung mit der Stoßwelle kommt es im behandelten Gebiet zu einer Ausschüttung von Wachstumsfaktoren, die bei der Schmerzlinderung und Heilung unterstützen. Gepaart mit einer Bewegungstherapie werden Verklebungen gelöst. Im ANschluss kann mit der radialen Stoßwelle die myofasziale Schmerzen und Trigerpunkte in der Oberschenkel- und Glutealmuskulatur flächig behandelt werden.
  • Laufbandtraining – das Training auf einem Laufband an Land eignet sich im Vergleich zum Wasser im Verlauf der Therapie, da die Belastung auf die Gelenke sukzessive an die Belastung im Alltag angepasst werden soll. Steigung, Gefälle und Variationen in der Geschwindigkeit unterstützen und fördern die Bewegungsschule auf dem Laufband. Unterschiedliche Hilfsmittel wie Bandagen und Kinesiotape kommen ebenfalls zum Einsatz.
  • Faszientherapie – manuelle und hilfsmittelbasierte Techniken der Faszientherapie ermöglichen eine zusätzliche und sehr gut tolerierte Form der Behandlung. Vibration, `sheering´ und `glideing´ werden eingesetzt, um eine gute Hydration der Faszien untereinander zu verbessern.